Markenstimme definieren: herausfinden, wie Du klingst
Die meisten Selbstständigen haben eine Stimme. Sie haben sie nur nie aufgeschrieben. Sie sitzt irgendwo im Bauch, und Du merkst sie erst, wenn sich ein Text falsch anfühlt.
Für Dich reicht das Bauchgefühl. Für eine KI nicht. Die kann Deinen Bauch nicht lesen, nur das, was Du ihr gibst. Und wenn Du ihr nichts über Deine Stimme gibst, gibt sie Dir Durchschnitt zurück.
Wie Du einer KI Deine Infos mitgibst, habe ich schon Schritt für Schritt beschrieben: ChatGPT klingt nicht nach Dir? So lernt die KI Deinen Schreibstil. Dort steht unter anderem die Frage „Wie klingst Du?“. Klingt harmlos. Ist es aber nicht ...
... denn die meisten Antworten darauf passen auf jeden. Um genau diese eine Frage geht es hier. Und darum, wie Du sie beantwortest, ohne bei „locker und sympathisch“ zu landen.
Was Markenstimme überhaupt ist
Der Inhalt ist das Was. Die Markenstimme ist das Wie. Kurz oder ausführlich? Nahbar oder mit professionellem Abstand? Mit Humor oder lieber sachlich?
Zwei Firmen können denselben Satz sagen, und der eine klingt nach einer Freundin, der andere nach einem Formular. Das ist Stimme.
Sie ist einer von sechs Bausteinen einer KI-fähigen Marke. Welche das sind und warum sie zusammengehören, steht hier: KI-fähige Marke: Was das ist und warum Du eine brauchst.
Warum „locker, aber klar“ nicht reicht
Locker, herzlich, auf Augenhöhe. Diese Wörter könnten auf der Website eines Steuerberaters genauso stehen wie bei einer Yogalehrerin. Sie beschreiben ein Gefühl, kein Muster.
Eine KI arbeitet aber mit Mustern. Wie lang sind Deine Sätze? Wie fängst Du einen Absatz an? Wo wirst Du ironisch? Welche Wörter benutzt Du ständig, welche nie?
Die gute Nachricht: Diese Muster stehen in Deinen Texten längst drin. Und rausholen kann sie die KI selbst, wenn Du ihr die richtigen Texte gibst.
In fünf Schritten Deine Markenstimme definieren
1. Sammle Deine besten eigenen Texte
Nimm mindestens fünf Texte, bei denen Du dachtest: Ja, das bin ich. Eine Mail an einen Kunden, ein Post, Deine Über-mich-Seite, ein Newsletter. Gern aus verschiedenen Ecken. In einer schnellen Mail klingst Du oft mehr nach Dir als auf einer polierten Angebotsseite.
Wichtig: Es müssen Texte sein, die Du selbst geschrieben hast. Was eine KI schon für Dich vorformuliert hat, gehört nicht dazu.
2. Lass die KI die Muster finden
Was in all Deinen Texten gleich ist, erkennt eine KI schneller als Du. Gib ihr Deine Texte und frag sie:
„Hier sind fünf Texte von mir. Was haben sie gemeinsam? Beschreib meinen Schreibstil: Satzlänge, wie ich einsteige, Lieblingswörter, Humor, Anrede und wie nah ich meinen Lesern komme. Nenn zu jedem Punkt ein Beispiel aus meinen Texten.“
Das klappt in ChatGPT genauso wie in Claude oder Gemini. Kopier Deine Texte einfach ins Eingabefeld oder häng sie als Datei an.
Die Beispiele sind wichtig. Daran siehst Du sofort, ob die KI Dich verstanden hat oder nur rät.
Dann kommt Dein Teil: Lies die Beschreibung und streich, was nicht stimmt. Die KI findet nämlich auch Zufälle. Hast Du in drei Texten zufällig mit einer Frage angefangen, hält sie das für Deinen Stil. Was davon Absicht ist, weißt nur Du.
3. Notiere Deine No-Go-Wörter, und was Du stattdessen sagst
Genauso wichtig: Was würdest Du nie sagen? Bei mir sind das Wörter wie „wegweisend“ oder „ganzheitlich“. Deine Liste sieht anders aus. Schreib sie trotzdem auf.
Aber bitte nicht als reine Verbotsliste. Schreib zu jedem Wort dazu, was stattdessen gilt. Zum Beispiel: statt „ganzheitlich“ lieber konkret sagen, was genau ich mache. Das empfiehlt auch Anthropic, der Anbieter hinter Claude: der KI sagen, was sie tun soll, statt nur, was sie lassen soll. Gib ihr dazu einen kurzen Grund. Dann versteht sie, worum es Dir geht, und überträgt das auch auf Wörter, die gar nicht auf Deiner Liste stehen.
Und halte die Liste lieber kurz. Ein paar Wörter mit Alternative sind wertvoller als eine lange Liste mit Verboten.
4. Fass Deinen Ton in einen Satz
Dieser Satz ist so etwas wie die Kurzfassung Deiner Stimme. Am besten funktioniert er als Vergleich mit einem Menschen. So ein Bild zeigt Haltung und Nähe auf einmal. Drei Adjektive schaffen das selten.
Diese drei Fragen helfen Dir dabei:
Wenn Deine Texte ein Mensch wären, wer wäre das? Eine Freundin, ein Lehrer, eine Kollegin, ein Nachbar?
Wie spricht dieser Mensch mit Deinen Kunden?
Was würde er nie tun?
Die Antworten setzt Du in diese Vorlage ein: „Ich klinge wie [Mensch], der [wie er spricht], aber nie [was er nie tut].“
Ein paar Beispiele, wie das fertig aussehen kann:
„Wie eine Freundin, die Dir ehrlich sagt, was sie denkt, aber Dich nie niedermacht.“
„Wie ein guter Hausarzt, der ruhig erklärt, aber nie in Fachchinesisch verfällt.“
„Wie die Kollegin, die beim Kaffee die besten Tipps hat, aber nie belehrt.“
Fällt Dir nichts ein? Dann lass Dir von der KI helfen. Gib ihr die Stilbeschreibung aus Schritt 2 und frag: „Fass meinen Ton in einen Satz, als Vergleich mit einem Menschen. Gib mir drei Vorschläge.“ Nimm den, bei dem Du denkst: Ja, genau so. Und dreh so lange an den Wörtern, bis er wirklich passt.
5. Leg ein Vorher-Nachher an
Hier lässt Du die KI einmal absichtlich so schreiben, wie sie ohne Dich klingt. Daneben steht Dein eigener Text. Am Unterschied siehst Du schwarz auf weiß, was Dich ausmacht. Und die KI sieht es später auch.
So gehst Du vor:
Such Dir einen Absatz aus Deinen Texten aus Schritt 1. Einen, der richtig nach Dir klingt. Drei, vier Sätze reichen.
Lass die KI denselben Inhalt schreiben, ohne Infos über Dich. Öffne einen neuen Chat und schreib zum Beispiel: „Schreib einen kurzen Absatz für meine Website zum Thema [das Thema Deines Absatzes]. Zielgruppe: [für wen Du schreibst].“ Mehr nicht. Textproben oder eine Beschreibung Deines Stils bleiben hier bewusst weg.
Leg beide untereinander in Dein Dokument. Über Deinen Absatz schreibst Du „So klinge ich“, über den der KI „So klinge ich nicht“.
Optional: Frag die KI, was den Unterschied ausmacht. Gib ihr beide Absätze und frag: „Was unterscheidet Text A von Text B? Beschreib es in Stichpunkten.“ Die Antwort ist eine gute Ergänzung zu Deiner Stilbeschreibung aus Schritt 2.
So könnte das bei einer Hundetrainerin aussehen:
So klinge ich nicht: „Leinenführigkeit ist ein wichtiger Baustein für ein entspanntes Zusammenleben mit Ihrem Hund.“
So klinge ich: „Dein Hund zieht, als ginge es um sein Leben? Lässt sich ändern. Versprochen.“
Das Wichtigste sind die Textproben
Wenn Du von den fünf Schritten nur einen machst, mach Schritt 1. Und heb die Texte gut auf.
Der Grund: Deine echten Texte enthalten alles auf einmal. Satzlänge, Rhythmus, Lieblingswörter, die Stellen, an denen Du ironisch wirst. Eine Beschreibung fängt davon immer nur einen Ausschnitt ein.
Die Anbieter sehen das offenbar genauso. Bei Claude zum Beispiel kannst Du einen eigenen Schreibstil anlegen, indem Du Textproben hochlädst. Claude leitet die Beschreibung daraus ab, und Du schärfst sie danach nach.
Deine Arbeit aus den Schritten 2 bis 4 wird dadurch nicht überflüssig. Sie ist die Kontrolle. Sie sagt, was in Deinen Texten Absicht ist und was Zufall war. Dein Lieblingstippfehler soll ja nicht zum Stilmerkmal werden (eh klar).
Was Du am Ende in der Hand hast
Ein Dokument, das auf ein, zwei Seiten passt:
Deine Textproben
die Stilbeschreibung der KI, von Dir geprüft
Deine No-Go-Liste
Deinen Ton-Satz
Dein Vorher-Nachher
Das ist die Antwort auf „Wie klingst Du?“, nur deutlich genauer als zwei, drei Adjektive. Wie Du dieses Dokument an ChatGPT, Claude oder Gemini übergibst und dauerhaft hinterlegst, steht in Schritt 3 und 4 der Anleitung, wie die KI Deinen Schreibstil lernt.
Ein Tipp für später: Halte Deine Stimme getrennt von dem, was die KI über Dein Angebot wissen muss. Preise und Leistungen ändern sich öfter als Dein Ton. Liegt beides in einem Dokument, fasst Du bei jeder Preisänderung auch Deine Stimme an.
Häufige Fragen zur Markenstimme
Was ist der Unterschied zwischen Markenstimme und Tonalität?
Die Markenstimme bleibt gleich, die Tonalität passt sich der Situation an. Eine Zahlungserinnerung klingt anders als ein Glückwunsch. Trotzdem erkennt man Dich in beiden.
Wie viele Textproben brauche ich?
Mindestens fünf. Wichtiger als die Zahl ist, dass Du Dich in jedem einzelnen Text wiedererkennst. Lieber fünf echte als zwanzig halbherzige.
Brauchen Selbstständige überhaupt eine Markenstimme?
Ja, und Du hast sie ohnehin schon. Die Frage ist nur, ob Du sie aufschreibst. Spätestens wenn Du mit KI schreibst, macht das den Unterschied, weil die KI ohne Vorgabe beim Durchschnitt landet.
Kann die KI meine Markenstimme selbst erkennen?
Teilweise. Aus Textproben liest sie Satzlänge, Wortwahl und Rhythmus erstaunlich gut heraus. Was davon Absicht ist und was Zufall, weiß sie nicht. Das sagst Du ihr, indem Du ihre Beschreibung prüfst und korrigierst.
Der schnelle Test
Diese fünf Schritte klingen nach Arbeit, und ein bisschen sind sie das auch. Ob sich die Arbeit für Dich lohnt, siehst Du in zwei Minuten. Füg im kostenlosen KI-Stimm-Check einen Text ein, den die KI für Dich geschrieben hat. Er markiert jede Stelle, die nach Maschine klingt, und zeigt Dir über eine Ampel, wie es um den Text steht. Je mehr da aufleuchtet, desto mehr bringen Dir die fünf Schritte.
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Und noch was: Die eigene Stimme hört man selbst oft am schlechtesten. Dafür ist man einfach zu nah dran. Wenn Du Dir dafür einen Blick von außen wünschst, ist mein KI-Markenprofil der Weg. Wir bauen es zusammen: Du lieferst einen Steckbrief und eine Viertelstunde Gespräch. Ich höre Deine Stimme aus Deinen echten Texten heraus und forme daraus eine Datei, in der steht, wie Du klingst, wofür Du stehst und wie Deine Marke aussieht. Die lädst Du in ChatGPT, Claude oder Copilot, und ab dann arbeiten die Werkzeuge in Deiner Marke.
Die Datei gehört Dir. Wechselst Du das Tool, nimmst Du sie mit und erklärst nichts noch einmal. Deine Stimme bleibt Deine.