Texte leserorientiert präsentieren: 5 Tipps für Nicht-Designer, damit die Botschaft ankommt

Wenn Worte schreien: wie Typografie und Layout die Wahrnehmung eines Textes ändern und wie Du das nutzen kannst.

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    Hast Du heute schon Deine Kunden angeschrien und es gar nicht bemerkt? Nein, ich meine nicht mit einer lauten Stimme, sondern mit einem Text auf Deiner Website, einem Post oder einem Aushang.

    • Hast Du Dich jemals gefragt, warum bestimmte Texte auf Dich eine stärkere Wirkung haben als andere?

    • Warum manche Texte förmlich von der Seite springen und Dir ins Gesicht zu schreien scheint, während andere Dir sanft ins Ohr flüstern?

    • Warum wir manche Texte einfach nicht lesen mögen und von anderen magisch angezogen werden?

    Die Antwort liegt in der Kunst der Typografie, der Wahl und Gestaltung von Schriftarten. In diesem Blogartikel möchte ich Dir zeigen, welche einfachen Dinge Du machen kannst, damit Dein Text auch gelesen wird und Du den Ton triffst.

    Du erhälst fünf einfache Tipps für den Alltag, damit Deine Worte auch die gewünschte Botschaft vermitteln und lesbar sind.

    1. Weißraum ist Dein Freund

    2. Zeilenlänge lieber zu kurz als zu lang

    3. Kein Fließtext in Versalien oder Schreibschrift

    4. Klare Hierarchieebenen im Text

    5. Geeignete Schrift wählen 

    Lass uns das mal genauer anschauen:

    1. Weißraum ist Dein Freund

    So ein DIN A4 Blatt kann für viele Menschen ganz schön groß werden, wenn man eigentlich nur einen Satz unterbringen möchte. Also liegt es doch nahe, die Schrift schön groß, alle Buchstaben in Versalien zu schreiben und das ganze fett zu machen, oder? Jetzt ist der zur Verfügung stehende Platz schließlich gut ausgenutzt und das Blatt sieht jeder…

    Das stimmt! Aber: welche Wirkung und welches Gefühl erzeugt das beim Betrachter? Der Text SCHREIT und man muss es mehrmals lesen, um den Inhalt zu erfassen.

    Damit etwas wirken kann, braucht es Platz! Das Auge muss wissen können, wo es hinschauen soll und auf einen Blick erkennen, worum es geht.  

    Jeder von uns kennt die Flyer, die so vor Infos wimmeln, dass man gar nicht mehr weiß, was die Anbieter eigentlich verkaufen wollen.

     

    Weißraum, auch als negativer Raum bezeichnet, bezieht sich auf den leeren Raum um Designelemente herum, einschließlich Leerzeichen zwischen Textblöcken, Rändern und Abständen zwischen Bildern und anderen visuellen Elementen. Er dient dazu, das Design zu strukturieren, den Textfluss zu erleichtern, die Lesbarkeit zu verbessern und die visuelle Wirkung zu verstärken.

     


    Je mehr Weißraum – also Freiraum zwischen den einzelnen Elementen – eine Botschaft hat, desto wirkungsvoller ist sie, weil sie die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch kann Weißraum dafür sorgen, dass etwas hochwertiger wirkt – man hat quasi in Platz „investiert“ und hat es nicht nötig, an Papier zu sparen und verschiebt konkurrierendem Inhalt an eine andere Stelle.

    Warum fällt es vielen Menschen so schwer, zur Verfügung stehenden Platz freizulassen und damit auf Ihre Botschaft einzuzahlen? Ich denke es liegt daran, dass oft das Gefühl aufkommt, etwas nicht zu nutzen bzw. zu verschwenden, schließlich könnte man ja noch so viel zu dem Thema sagen. Und ja, kann ich voll nachvollziehen, hatte ich auch schon ;-)

    Mir hilft es, sich Weißraum als Mantel vorzustellen, damit meine Botschaft niemanden „kalt“ lässt. Je wichtiger sie ist, desto mehr „Mantel“ darf sie bekommen. Ja, es gibt auch Fälle, wo zu großer Weißraum dazu führen kann, dass das Design unausgeglichen oder unausgefüllt wirkt. Das ist aber gerade bei Nicht-Designern sehr selten. Also keine Angst vor zuviel "Weiß".

    FAZIT: Nie den gesamten zur Verfügung stehenden Platz für Informationen nutzen, sondern bewusst Weißraum einplanen!

     

    2. Zeilenlänge: im Zweifel lieber kürzer

    Die optimale Anzahl von Wörtern pro Zeile für einen Fließtext liegt in der Regel zwischen 45 und 75 Zeichen, einschließlich Leerzeichen – also ungefähr 10 bis 15 Wörter. Dieser Bereich wird oft als ideale Lesbarkeitszone angesehen. Ein zu langer Zeilenbereich kann dazu führen, dass die Augen des Lesers überanstrengt werden und es schwerer wird, den Text zu verfolgen. Zu kurze Zeilen können hingegen den Text zerstückeln und die Lesbarkeit ebenfalls beeinträchtigen. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu finden, das angenehm für das Auge ist und ein bequemes Lesen ermöglicht.

    Die Empfehlungen zur Lesbarkeit in Bezug auf die Zeilenlänge können sich für Print und Web leicht unterscheiden. Im Allgemeinen gilt, dass für gedruckte Texte eine etwas längere Zeilenlänge akzeptabel ist, da das Lesen von gedrucktem Material in der Regel angenehmer ist als das Lesen von Text auf einem Bildschirm.

    Im Zweifel empfehle ich, die Zeilen eher kürzer zu halten und Spalten zu bilden. Auf Webseiten kann ein einspaltiger Text wunderbar durch eine rechts- oder linksstehende Grafik oder ein Foto ergänzt werden. So bleibt die Zeilenlänge kürzer und einen Eyecatcher – das Bild – habe ich auch noch.

    Eine weitere Möglichkeit, den Text leserfreundlich zu gestalten ist es, Aufzählungspunkte einzufügen. Wenn möglich mit wenigen Worten oder Kurzsätzen das animiert zum Lesen.

    FAZIT: Spätestens nach circa 15 Wörtern sollte eine Zeile aufhören. Es hilft Spalten zu bilden und Aufzählungspunkte einzubauen, um die Lesefreundlichkeit zu erhöhen.

    3. Kein Fließtext in Versalien oder Schreibschrift

    Hier ein Beispiel, das ich neulich gesehen habe und das mich zu diesem Blogartikel inspiriert hat:

     
     

    Diese zwei Aushänge (die auch noch lieblos einlaminiert sind und mit Kabelbinder befestigt worden sind) haben mir als Kunde sämtlich Lust verdorben, in einem Biergarten einzukehren. Ich fühlte mich definitiv nicht erwünscht und es war als hätte mich jemand angeschrien und zurechtgewiesen! Dabei bin ich nur an der „falschen“ Tür vorbeigegangen und das obwohl nirgends stand, wo der Eingang überhaupt ist. Woran liegt es eigentlich, dass ich mich so abgewiesen gefühlt habe?

    Antwort: Vor allem an der Nutzung von Großbuchstaben, kombiniert mit der aggressiven Farbe.

    Der Text ist in einer großen, fett gedruckten Schrift geschrieben und die Zeilen sind eng zusammengepackt. Dieses Layout verstärkt die Intensität und Dringlichkeit des Inhalts, und die Worte scheinen förmlich zu schreien, um Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Damit ist jede Form von „Nettigkeit“ fast unmöglich.

    Längeren Text in Versalien – also Großbuchstaben – zu schreiben hat zudem den Nachteil, dass die Lesbarkeit leidet. Unser Auge braucht länger um die Worte zu erfassen und das macht es anstrengender den Text zu lesen. Hier ist eine gemischte Schreibweise – also die Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben laut Duden – zu bevorzugen.

    Schreibe ich einen Fließtext in Schreibschrift oder Skript, so stehen die Worte zwar eng beieinander, aber die allermeisten Schreibschriften sind schwer zu lesen. Auf jeden Fall schwerer, als ein gut ausbalancierte Schrift aus Druckbuchstaben. Aus diesem Grund sollten Sie sparsam genutzt werden. Als Eyecatcher, emotionaler Einschub oder Überschrift sind sie jedoch durchaus nützlich und schön.

    FAZIT: Längere Textpassagen sollten in gemischter Schreibweise und in Druckbuchstaben abgebildet werden.

     

    4. Klare Hierarchieebenen im Text

    Hierarchie in der Textgestaltung bezieht sich auf die visuelle Organisation von Textelementen, um eine klare Struktur und eine leicht verständliche Informationshierarchie zu schaffen. Durch die Verwendung verschiedener typografischer Merkmale wie Schriftgröße, Gewicht, Farbe und Abstand können bestimmte Textelemente hervorgehoben werden, um ihre Bedeutung oder Relevanz zu betonen. Hier sind einige wichtige Aspekte der Hierarchie in der Textgestaltung:

    • Überschriften und Untertitel
      Durch die Verwendung größerer Schriftgrößen oder auffälligerer Schriftarten können Überschriften und Untertitel visuell hervorgehoben werden. Dies hilft Lesern, den Text schnell zu scannen und wichtige Abschnitte zu identifizieren.

    • Textstufen
      Textstufen werden durch die Kombination von Schriftgrößen, -gewichten und -stilen erreicht. Haupttext wird normalerweise in einer gut lesbaren Größe gehalten, während untergeordnete Informationen in kleinerem Text oder in einer anderen Schriftart dargestellt werden können, um eine visuelle Unterscheidung zu schaffen.

    • Farben
      Die Verwendung von Farbe kann helfen, hierarchische Unterschiede zu erzeugen. Wichtige Textelemente können in einer kontrastierenden Farbe dargestellt werden, um sie von anderen Teilen des Textes abzuheben und die Aufmerksamkeit des Lesers zu lenken.

    • Abstände
      Der Abstand zwischen Textelementen wie Absätzen, Überschriften und Untertiteln kann dazu beitragen, die Hierarchie visuell zu strukturieren. Informationen werden gebündelt und machen klar, dass hier etwas zusammengehört. Größere Abstände können auf wichtige Abschnitte hinweisen und den Textfluss erleichtern. Außerdem machen Abstände einen langen Text eher „verdaulich“, da er in kleine Häppchen unterteilt ist.

    • Aufzählungszeichen und Nummerierungen
      Durch die Verwendung von Aufzählungszeichen oder Nummerierungen können Punkte oder Absätze in Listenform hierarchisch gegliedert und visuell voneinander getrennt werden. Außerdem können Informationen in dieser Kurzform schnell erfasst werden.

    Die Gestaltung einer klaren Hierarchie in der Textgestaltung erleichtert den Lesern die Orientierung und das Auffinden von Informationen. Durch die bewusste Verwendung von typografischen Elementen und visuellen Unterschieden können wichtige Informationen hervorgehoben und die Lesbarkeit verbessert werden. Eine gut gestaltete Hierarchie trägt zur Klarheit und Effektivität der Textkommunikation bei.

    FAZIT: Mache es den Lesern leicht und entscheide durch Abstände, was zusammen gehört und mit optischen Hervorhebungen, was besonders wichtig ist. 

    5. Geeignete Schrift wählen

    Stelle Dir vor, Du erhältst eine Einladung zu einer Hochzeit. Du öffnest den Briefumschlag und entdeckst eine Hochzeitseinladung mit Arial-Schrift. Sicherlich würdest Du nicht den gleichen emotionalen Eindruck haben wie bei einer Einladung mit einer kunstvollen Kalligrafie-Schriftart. Die Wahl der Schriftart kann bereits auf den ersten Blick die Stimmung und Atmosphäre einer Veranstaltung oder eines Textes vermitteln.

    Schriftarten haben eine eigene Wirkung hier Beispiele

    Aber Typografie geht über die bloße Wahl der Schriftart hinaus. Die Größe, der Zeilenabstand und die Anordnung der Buchstaben spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Stelle Dir vor, Du liest einen Artikel über ein trauriges Ereignis, wie beispielsweise eine Naturkatastrophe. Der Text ist in einer großen, fett gedruckten Schrift geschrieben und die Zeilen sind eng zusammengepackt. Dieses Layout verstärkt die Intensität und Dringlichkeit des Inhalts, und die Worte scheinen förmlich zu schreien, um Deine Aufmerksamkeit zu erregen.

    Im Gegensatz dazu kannst Du Dir vorstellen, wie eine sanfte und beruhigende Nachricht in einem sanften, kursiven Schriftstil dargestellt wird, begleitet von großzügigen Zeilenabständen. Die Worte fließen förmlich über die Seite und schaffen eine entspannte und freundliche Atmosphäre. Diese bewusste Gestaltung der Typografie kann dazu beitragen, dass Sie sich wohl und entspannt fühlen, während Sie den Text lesen.

    Schrift in digitalen Medien

    Die Auswahl der richtigen Schriftart und deren Gestaltung ist nicht nur in gedruckten Medien wichtig, sondern spielt auch im digitalen Zeitalter eine bedeutende Rolle. Denke nur an die zahlreichen Websites und Apps, die wir täglich nutzen. Die Benutzererfahrung wird maßgeblich von der Art und Weise beeinflusst, wie Texte präsentiert werden. Eine schlecht lesbare Schriftart oder ein unausgewogenes Layout können dazu führen, dass wir eine Website oder App schnell verlassen und nach einer benutzerfreundlicheren Alternative suchen. Die Wahl der richtigen Schriftart und die sorgfältige Gestaltung der Typografie sind also entscheidend für eine positive Nutzererfahrung. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch meinen Blog zum Thema „Systemschriften“ ans Herz legen.

    Emojis 

    Ein weiteres Beispiel für die Macht der Typografie im digitalen Bereich ist die Verwendung von Emojis. 🥰 😉 😩 Durch ihre Platzierung und Kombination mit Text können sie die Bedeutung einer Nachricht verstärken oder ihr eine ganz neue Nuance verleihen. Stelle Dir vor, jemand schreibt Dir "Ich vermisse dich" in einfacher Textform. Wenn dieser Satz jedoch von einem traurigen Emoji 😢 begleitet wird, verstärkt sich die emotionale Wirkung und die Botschaft wird intensiver wahrgenommen. Begleitet von einem Zwinkern 😉 nimmt man diesen Satz eher nicht so ernst.

    FAZIT: Jede Schrift hat ihre eigenen ersten Eindruck unabhängig von der Aussage des geschriebenen Wortes und sollte daher mit Bedacht gewählt werden.

     

    Das waren meine Top-Five-Tipps für Deinen nächsten Text. Natürlich gibt es noch viel mehr, was man machen kann, damit Schrift noch besser wirkt, aber ich behaupte mal, mit diesen einfachen fünf Dingen, kannst Du jede Menge erreichen, um Deine Infos auch (richtig) rüberzubringen.

    Jetzt weißt Du, wie der Text aussehen soll, aber Du hast noch Probleme damit, Inhalte für Deine neue Homepage zu generieren? Bestimmt hilft Dir hier mein Homepage-Workbook!

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