Google Fonts und die DSGVO Problematik: Systemschriften als rechtskonforme Lösung ohne Code
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Das Privacy Shield 2.0 Abkommen ist seit Frühsommer 2023 in Kraft. Das hat zur unter anderem zur Folge, dass es prinzipiell erlaubt ist, wieder Google Fonts zu nutzen – auch wenn es nach wie vor empfohlen wird, es möglichst nicht zu tun. Wer auf dem Laufenden bleiben will, falls sich wieder etwas ändert (was leider nicht ausgeschlossen ist 🙈), dem empfehle ich, z.B. bei eRecht24 eine Premiummitgliedschaft* abzuschließen.
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Bevor im letzten Jahr eine große Abmahnwelle durch die deutschsprachige Internetlandschaft gerollt ist, haben sich die meisten Website Betreiber kaum Gedanken über Schriften gemacht. Man hat standardmäßig einfach in den Einstellungen seiner Internetplattform eine schöne Schrift ausgewählt, und schon wurden die kostenlosen Google Fonts eingebunden. Dieser sorglose Umgang mit den Schriften hatte leider ein Ende.
Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, auf extern geladene Google Fonts zu verzichten und damit DSGVO-konform zu sein:
Lokales Einbindung der Google Fonts auf dem eigenen Server. Das erfordert jedoch ein gewisses Maß an technischem Know-How, da man hier mit CSS Coden arbeiten muss.
Man nutzt Systemschriften und macht sich das Leben einfach.
In diesem Beitrag möchte ich auf den zweiten Punkt eingehen und wie ich Systemschriften bei Squarespace nutzen kann.
Was sind Google Fonts und warum ist die Nutzung „abmahnwürdig“?
Google Fonts sind ein Service von Google, mit dem Websites verschiedene Schriftarten verwenden können, um ihren Text ansprechender zu gestalten. Anstatt die Schriftarten selbst zu speichern, können Website-Betreiber Google Fonts nutzen, um die Schriftarten auf ihren Websites anzuzeigen.
Wenn eine Website extern geladene Google Fonts verwendet, muss der Webbrowser der Besucher eine Verbindung zum Google Server herstellen, um die Schriftarten herunterzuladen. Dabei werden bestimmte Informationen über den Besucher und seinen Browser an Google übertragen. Dies kann als Verarbeitung personenbezogener Daten angesehen werden. Da der jeweilige Website-Besucher keine Kontrolle mehr über die Verarbeitung seiner Daten hat, stellt das im Sinne der DSGVO eine nicht hinnehmbare Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar. Eine Abmahnung muss befürchtet werden.
Was sind Systemschriften?
Systemschriften sind Schriftarten, die bereits auf dem Betriebssystem eines Geräts vorinstalliert sind. Sie werden automatisch von verschiedenen Anwendungen und Programmen verwendet.
Egal, ob Sie ein Windows-Computer, ein Mac oder ein Smartphone haben, sie alle haben ihre eigenen vorinstallierten Systemschriften, die von verschiedenen Programmen und Apps verwendet werden können. Diese Schriftarten werden für Dinge wie Menüs, Benutzeroberflächen und Meldungen verwendet. Sie sind so gestaltet, dass sie gut auf dem Bildschirm aussehen.
Beispiele für Systemschriften sind Arial, Helvetica, Times New Roman, Verdana und Calibri.
Warum sollte ich Systemschriften nutzen?
Der Vorteil ist, dass sie
auf verschiedenen Geräten und Plattformen immer gleich aussehen.
eine gute Lesbarkeit und Benutzerfreundlichkeit haben.
nicht extra herunterladen werden müssen, weil sie schon auf Ihrem Gerät vorhanden sind.
kostenlos bereitgestellt werden und keine Lizenzgebühren anfallen.
schnell geladen werden können. Sie müssen nicht zusätzlich von externen Quellen geladen werden müssen, was geringere Ladezeiten zur Folge hat.
auf der Website rechtskonform genutzt werden können.
Welche Systemschriften bietet Squarespace an?
Um Google-Schriften im Backend von Squarespace-Websites aus dem Ladevorgang zu entfernen, stellt Squarespace eine Auswahl von Systemschriften bereit. Dies Schriften enthalten keine URL, um die Schriftart extern herunterzuladen zu können. Falls die gewählte Systemschrift bei einem Nutzer nicht installiert sein sollte – nicht alle Betriebssysteme haben die gleichen Systemschriften – zeigt der Browser den Text in einer anderen Schriftart an.
Die folgenden Systemschriftarten, sind zurzeit (Stand Juni 2023) verfügbar:
Arial
Courier New
Georgia
Helvetica Neue
Lucida Console
Lucida Sans Unicode
Palatino Linotype
Times New Roman
Trebuchet MS
Verdana
Diese können frei für Überschriften und Absatztext miteinander kombiniert werden. Außerdem sind Schriftartenpakete verfügbar, die nur Systemschriftarten enthalten und für deren Laden keine Google-Schriftarten erforderlich sind.
So wenden Sie ein System-Schriftarten-Paket in Squarespace an:
Gehen Sie zum Design-Menü und öffnen Sie Website-Stile.
Klicken Sie auf „Schriftarten“ und dann auf „Wechseln“ auf dem aktuellen Schriftarten-Paket, um alle verfügbaren Schriftarten-Pakete anzuzeigen.
Ein serifenloses Schriftarten-Paket (das sind die Schriften ohne die kleinen “Füßchen” am Ende der Buchstaben) erhalten Sie, indem Sie auf „Sans Serif“ klicken, bis zum Ende der Liste scrollen und dann auf „Helvetica Neue“ klicken.
Für ein Schriftarten-Paket mit Serifen klicken Sie zunächst auf „Serif“, scrollen Sie zum Ende der Liste und klicken Sie dann auf „Georgia“.
Wenn Sie gerne ein Schriftarten-Paket mit und ohne Serifen hätten, klicken Sie auf „Gemischt“, scrollen Sie zum Ende der Liste und klicken Sie dann auf „Verdana“.Speichern die Änderungen.
Eigene Schriften
Eigene Schriften – und das können natürlich auch Google Fonts sein – sind vor allem dann wichtig und sollten zum Einsatz kommen, wenn Sie als Unternehmen eine besondere Hausschrift in Ihrem Corporate Design oder Branding benutzen und Wert auf eine konsistenten Außendarstellung für Ihre eigene Website legen. Auch besondere Designs oder schöne Skriptfonts können mit der ausschließlichen Verwendung von Systemfonts leider nicht erreicht werden.
Squarespace bietet dafür eine Funktion namens "Custom Fonts" (benutzerdefinierte Schriften) an, die es Benutzern ermöglicht, zusätzliche Schriftarten zu Ihrer Website hinzuzufügen. Mit dieser Funktion können Benutzer ihre eigenen Schriftarten – die sie zuvor auf ihren Desktop heruntergeladen haben – in Squarespace hochladen und auf ihrer Squarespace-Website verwenden. Diese ist dann auch lokal gespeichert und wird lokal geladen – es findet kein Austausch mit dem Google-Server statt – und damit ist das rechtskonform. Allerdings muss man dafür mit CSS coden.
Möchte man das Coden vermeiden und geht es nur um die Darstellung einzelner Worte mit der Lieblingsschrift, so lässt sich das mit einem kleinen Workaround lösen:
Zierschrift als Foto
So funktioniert es:
In einem Grafikprogramm Ihrer Wahl (z.B. Canva oder ein Adobe Illustrator) das gewünschte Wort in der gewünschten Schriftart und der gewünschten Farbe schreiben.
Grafik als png mit transparentem Hintergrund speichern und richtig benennen (wenn Sie „Liebe“ geschrieben haben, dann sollte das Bild auch „Liebe“ heißen, damit die Screenreader das erkennen).
TIPP: Wenn Sie die Grafik nur als jpg speichern können, verwenden Sie in dem Abschnitt auf Ihrer Website einen weißen Hintergrund.
Schriftzug als Grafik in Canva erstellen
In Squarespace an der gewünschten Stelle im Text einen Fotoblock einfügen.
Das eben erstellte Bild hochladen und die Größe anpassen.
Nachteile dabei:
Funktioniert nur mit sehr wenig Text
Ist nur eingeschränkt responsiv, das heißt es gibt keine Umbrüche in der Mobilanwendung und die Größenanpassung ist begrenzt
Sieht bei großen Bildschirmen evtl. pixelig aus
Der Text ist im Editor nicht veränderbar. Bei Textänderung muss eine neue Grafik erstellt werden.
Fazit
Letztendlich hängt die Entscheidung, wann Sie Systemschriften bevorzugen sollten, von den Anforderungen und Zielen Ihres Projekts ab. Für Websites, bei denen die einfache Anwendung im Vordergrund steht, sind Systemschriften ein wunderbarer Weg, den Einsatz von Google Fonts zu vermeiden und somit eine abmahnsichere Website zu haben. Es kann auch sinnvoll sein, verschiedene Schriftarten zu kombinieren, indem Sie Systemschriften für bestimmte Bereiche verwenden, wie zum Beispiel den Fließtext, und bei Bedarf eine benutzerdefinierte Schriftart, beispielsweise für Überschriften, ergänzen.
Google Fonts oder benutzerdefinierte Schriften lokal per CSS Code einzubinden ist zwar prinzipiell nicht schwer, aber es ist leider nicht damit getan, eine Zeile Code zu schreiben. Auch wenn man z.B. definiert, dass alle H1-Überschriften (die Hauptüberschriften) die lokal gespeicherte Schriftart haben sollen, so gibt es doch viele, viele Bereiche, die damit noch nicht definiert sind (Blogs, Formulare, Banner, etc.). Wenn Sie keine Lust auf technische Dinge haben, ist es eine Überlegung wert, sich von einem Profi helfen zu lassen.
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